December 21, 2016 at 11:33AM

Ein Anschlag – Was nun? #prayforberlin

Eigentlich traue ich mich gar nicht, Nachrichten und Kommentare zu diesem Thema zu lesen, schon gar nicht, die Sozialen Netzwerke. Aber man kommt ja nicht drum herum. Also beschäftigt es mich wieder und ich nutze meine lange Zugfahrt, um meine Gedanken zu verdauen. Vorweg, was am 19.12.16 passierte, ist schrecklich, sinnlos und macht mich fassungslos. Nicht nur, weil ich 2h zu vor noch in der Stadt war und mir nahe stehende Menschen kurz vor dem Unglück noch den Markt besuchten. Auch ohne diese Tatsachen, ist ein Angriff auf das Leben unschuldiger Zivilisten eine unbeschreibliche Gräueltat.
Was mich noch weit mehr bestürzt ist, wie unsere Politik und unsere Medien mit einem solchen Ereignis umgehen. Es wird spekuliert, analysiert, nicht kommentiert oder gehetzt. Beginnen wir von vorn. Ich saß zum Zeitpunkt der Tragödie auch im ICE und erfuhr über den SafetyCheck von Facebook, dass in Berlin etwas passiert sein musste. Im Hotel angekommen, verfolgte ich die Entwicklung im Fernsehen, wobei ich erstaunt war, dass nur N24 und nTV zu dieser Zeit in Dauerschleife berichteten. Auf ARD und ZDF eher FamilienTV. Von der Kanzlerin kein Kommentar, stattdessen ein schwarzes Titelbild auf Facebook. Dann ein Post meiner guten Freundin, dass sie Glück hatte, mit ihrem Papa rechtzeitig den Markt verlassen zu haben. Plötzlich ist so Ereignis schrecklich nahe. Ich will gar nicht auswerten, in welcher Qualität die Berichterstattung bei nTV war, ich hätte vll auch CNN schauen sollen aber ob es inhaltlich besser gewesen wäre, bleibt fraglich. Am nächsten Morgen beim Frühstück dann, auf allen Kanälen, der Tweet von Marcus Pretzell (AFD), in dem er die Opfer als Merkels Tote betitelt. Hier platzte mir die Ader und nicht nur der Kragen. Es will mir nicht in den Kopf, wie diese „Politiker“ sich in irgendeiner Form Gehör verschaffen und zu viele Menschen die Ohren spitzen, wenn die Phrasendrescher den Mund auf machen. Ich würde zu gern einen Herrn Pretzell, Frau Petry und Herrn Gauland fragen, wie ihre Partei das Land vor derartigen Attentaten schützen möchte? Das Land dicht machen und sich auf nationaler Werte besinnen? Um den Wohlstand zu erhalten, weiter Dritte-Welt-Länder ausbeuten? Mit den Großmächten sich weiter verbünden, um in der Weltpolitik mitreden zu können? All dies soll uns schützen? Im Gegenteil, dass hat uns doch zur Zielscheibe gemacht. Das bekämpft doch nicht die Ursachen des Terrors sondern verschärft den Hass auf die westliche Welt. Der IS ist deswegen erfolgreich, weil die Welt so reagiert, wie sie es erwarten. Sie destabilisieren die Regierungen in Europa. Aus Angst, machen einzelne Ländern dicht, Rechtspopulisten verschaffen sich Gehör. Europa als geeinigte Staatengemeinschaft steht auf der Kippe. Und dann schwenkt unsere christliche Regierung auch noch um. Ganz zu schweigen von ihrer „sozialen“ Schwester, die immer mehr ultrakonservativ wird und von der AFD kaum zu unterscheiden ist. Man muss sich auf der Zunge zergehen lassen, dass christlich-demokratisch-soziale Parteien bei dieser humanitären Katastrophe in ihren Kernkompetenzen wie Güte und Nächstenliebe auf ganzer Linie versagen. Ihr Verhalten ist soweit weg von biblischen Werten, dass ich aus dem Staunen nicht mehr herauskomme. Ich habe volles Verständnis, dass die breite Bevölkerung Angst hat. Das gilt auch für meine Eltern. Sie haben Angst vor dem Terror. Ich habe Angst, dass der Terror uns dahin treibt, wo die Terroristen uns haben wollen. Es wird nicht an den Ursachen gearbeitet. Es werden weiter hinter verschlossenen Türen Bündnisse und Verträge geschlossen. Es werden fremde Regierungen gelenkt um wirtschaftliche Vorteile zu sichern. Wir haben aus Irak und Afghanistan so gar nichts gelernt und wundern uns nun über die Früchte dessen, was unsere Führungen gesät haben. Nebenbei entwickeln sich neue Krisen wie Türkei und Russland, Asien verlieren wir immer wieder aus dem Blick. Solange nicht global an einem friedlichen und fairen Konzept gearbeitet wird, werden Neid und Ausbeutung immer wieder zur Unzufriedenheit und Gewalt führen. Und da helfen weder Stacheldraht und Mauern, denn ich erinnere ungern daran, dass auch ein paranoides Land wie die USA vor Anschlägen wie 9-11 nicht sicher waren. Der Terror findet auch dann seinen grausamen Weg. In einer friedlichen Welt braucht es keine Betonbarrieren für LKWs auf öffentlich Plätzen, sind flächendenkende Kameraüberwachung unnötig, ist jeder Bedürftige willkommen, so wie die Bibel das vor Jahren mich mal lehrte, sind Grenzkontrollen überflüssig, weil es Grenzen nicht braucht. Aber solange wir nicht an den Ursachen dieser Unruhe etwas tun, wird uns kein neues Sicherheitskonzept schützen, sondern uns nur Sicherheit vorgaukeln.

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